Univertität zu Köln
 
 
 
 

14. Oktober 1996


Ralf Zimmermann

US-Jobs mit der Handelspolitik: ein grobes Mißverständnis

Wahlen werden oft durch die wirtschaftliche Lage entschieden. Der zu erwartende Inhalt im Geldbeutel der Wähler bestimmt ihr Kreuz. Das wissen auch der amtierende amerikanische Präsident und sein republikanischer Herausforderer, wenn sie sich an diesem Mittwochabend vor der Fernsehnation duellieren. Insbesondere Bill Clinton hat diesen Zusammenhang früh erkannt und mit dem markigen Wahlkampfversprechen "jobs, jobs, jobs" seinen Vorgänger aus dem Weißen Haus vertrieben.

Über Arbeitsplätze wird in erster Linie auf dem Arbeitsmarkt entschieden. Im Vergleich zu den verkrusteten europäischen Märkten ist der amerikanische geradezu vorbildlich. Allerdings muß es beunruhigen, wenn die US-Handelspolitik in den (scheinbaren) Dienst der Beschäftigung gestellt wird. Die Administration ging in den vergangenen Jahren zunehmend dazu über, die Interessen der amerikanischen Industrie - genauer: jene, die sich hinreichend artikulierten - mit ruppiger Gebärde durchzusetzen. Daß sie sich dabei in unlösbare Widersprüche verstrickt und langfristig selbst schadet, scheint sie nicht zu sehen.

Die jüngsten Handelsgesetze bedrohen ausländische Unternehmen, die mit Ländern Geschäfte machen, welche die USA politisch isolieren möchten - Stichwörter: Kuba, Iran und Libyen. Diese Unternehmen machen Gewinne, die den amerikanischen verwehrt werden; deren Position gegenüber den europäischen Wettbewerbern verschlechtert sich, und Arbeitsplätze werden dadurch gefährdet. Daraufhin wurde nun US-Firmen die Möglichkeit eingeräumt, von ihrer Regierung Sanktionen gegen die Konkurrenz einzufordern.

Die Amerikaner verlieren dabei doppelt: zum einen durch den selbstauferlegten Boykott gegen mißliebige Führer. Zum anderen provozieren die Strafaktionen gegenüber anderen Staaten, die den USA in ihrem politischen Eifer nicht folgen wollen, Vergeltungsmaßnahmen. Diese treffen dann vor allem die amerikanischen Exportschlager. Clinton kann das wohl nicht meinen, wenn er von Jobs redet.


Ralf Zimmermann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Juergen B. Donges.

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