Univertität zu Köln
 
 
 
 

29. Oktober 1996


von Markus Fredebeul-Krein

Die Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes

Faire Bedingungen für einen dynamischen Wettbewerb?

Der deutsche Telekommunikationsmarkt befindet sich in einer entscheidenden Umbruchphase. Mit der Verabschiedung des Telekommunikationsgesetzes im Sommer dieses Jahres ist der Grundstein für die Liberalisierung des Marktes gelegt worden. Im November steht die Privatisierung der Deutschen Telekom an. Gleichzeitig formieren sich die künftigen Wettbewerber zu schlagkräftigen Allianzen. Fast täglich erscheinen Meldungen über neue Kooperationen. Dies wirft die Frage auf, ob die neuen Anbieter die Übermacht des Noch-Monopolisten Deutsche Telekom brechen können. Der Schlüssel zur Schaffung eines hohen Wettbewerbspotentials auf den einzelnen Telekommunikationsmärkten liegt in der Etablierung fairer Wettbewerbschancen im Netzwerkbereich. Zwei Aspekte sind diesbezüglich von entscheidender Bedeutung: die Durchsetung des Prinzips des offenen Netzzugangs und die Entflechtung der Festnetze der Telekom.

Gerade in den ersten Jahren nach Aufhebung der Monopolrechte sind die neuen Anbieter auf die Nutzung der Netzinfrastruktur der Telekom angewiesen, da sie nicht über flächendeckende Ortsnetze verfügen und der Aufbau eines alternativen Netzes hohe Investitionskosten erfordert. Für die Inanspruchnahme des Netzes müssen sie Nutzungsentgelte an den etablierten Anbieter zahlen, die gemäß der kürzlich verabschiedeten Netzzugangsverordnung in Verhandlungen zwischen den Netzbetreibern festgelegt werden. Da eine solche Regelung den dominierenden Netzträger begünstigt, wäre es dringend geboten, die Höhe der Zugangsgebühren für den Netzzugang und die Zusammenschaltung der Netze auf der Basis ökonomischer Kriterien im Voraus festzulegen.

Um langfristig einen funktionstüchtigen Wettbewerb im Bereich der kabelgebundenen Ortsnetze zu etablieren, bedarf es einer Alternative zum bestehenden Telefonnetz der Telekom. Diese besteht in Deutschland in dem Kabel-TV-Netz, das schon relativ weit ausgebaut ist und sich bei einer entsprechenden Aufrüstung auch für Telefoniedienste nutzen ließe. Da die Telekom jedoch sowohl das Telefonnetz als auch den größten Teil des TV-Kabelnetzes besitzt, kann in Deutschland faktisch kein Wettbewerb stattfinden. Es wäre deswegen erforderlich, daß die Telekom sich von ihrem Kabel-TV-Netz, das derzeit über 16 Mio. Kunden umfaßt, trennt. Der Verkauf des Netzes an die neuen Telefongesellschaften wäre ein großer Schritt auf dem Weg zur Schaffung eines dynamischen Wettbewerbs auf den Telekommunikationsmärkten.

 
Markus Fredebeul-Krein ist Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftspolitik.

© iwp, 1996