Univertität zu Köln
 
 
 
 

Burkhard Welzel

Der Unternehmer in der Nationalökonomie


aus der Reihe "Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik" [U 101]

Seit Anfang der achtziger Jahre erlebte der Unternehmer in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eine Renaissance. Auch die Wissenschaft beginnt sich für ihn wieder verstärkt zu interessieren. Eine sich etablierende internationale Unternehmerforschung strebt eine breite, interdisziplinäre Untersuchung des Unternehmers an und verfolgt dabei das Ziel, eine ganzheitliche Unternehmertheorie zu entwickeln. In diese Unternehmerforschung reiht sich die vorliegende Arbeit ein. Sie analysiert die wirtschaftlichen Funktionen des dynamischen Unternehmers nach einzel- und gesamtwirtschaftlicher Perspektive und erarbeitet - idealtypische Persönlichkeitsmerkmale im Sinne eines personalen Anforderungsprofils.

Modelltheoretisch wird der dynamische Unternehmer als ein Marktakteur erklärt, der in einer politisch-rechtlichen, sozio-kulturellen und wirtschaftlichen Umwelt voller diskontinuierlicher, turbulenter Veränderungen agiert. Er entdeckt Chancen im Markt und nutzt diese durch geeignete, erfolgversprechende Kombinationen von dynamischen Produktionsfaktoren (Arbeit, Humankapital und Unternehmer) wirtschaftlich aus. Er übernimmt die wirtschaftliche Führungsverantwortung für die ökonomische Durchsetzung der arbitragierenden, innovativen und imitativen Faktorkombinationen, sowohl auf einzel- als auch gesamtwirtschaftlicher Ebene in verschiendenen institutionellen und organisatorischen Kontexten. In Ergänzung dieser primären Funktion trägt und gestaltet der Unternehmer Ungewißheit und Risiken, verarbeitet spezifische Informationen und kommuniziert mit seinem Umfeld. In marktwirtschaftlich organisierten Systemen fungiert er als maßgeblicher Katalysator der Selbstorganisationsprozesse: Seine arbitragierenden und imitativen Kombinationen bewirken eine tendenzielle Annäherung des Marktes an ein theoretisches Gleichgewicht, ohne dieses jedoch jemals zu erreichen. Seine innovativen Kombinationen verstärken hingegen ungleichgewichtige Tendenzen und fördern damit die Dynamisierung der Umwelt.

Aus den Unternehmerfunktionen läßt sich ein idealtypisches Persönlichkeitsbild des dynamischen Unternehmers ableiten: Er nimmt eine positive Einstellung gegenüber Ungewißheit und Risiko, Information und Kommunikation ein; er ergreift Initiative und verfügt über die nicht näher qualifizierten Fähigkeiten der Kreativität, Analytik, Intuition, Tat- bzw. Durchsetzungkraft, Energie, Leistungsmotivation, Ausdauer und Beharrlichkeit. Angetrieben durch monetäre und nicht-monetäre Faktoren trägt er zur Evolution von Märkten und Wirtschaftsstrukturen und damit zum Wohlstand von Nationen bei.

Köln 1995. 345 S. ISBN 3-921471-89-3. DM 65,-


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