aus der Reihe "Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik" [U 102]
Debt-equity swaps (DES) entwickelten sich nach 1985 vor allem in den seit Anfang der
80er Jahre von der Schuldenkrise betroffenen Staaten Lateinamerikas zu einem bedeutenden
Finanzierungsinstrument. DES können aufgrund ihrer fiskalischen, monetären und
allokativen Begleiterscheinungen grundsätzlich nur begrenzt eingesetzt werden. In
Rußland können DES im Rahmen der Privatisierung einige ansonsten für sie typische
gesamtwirtschaftliche Nachteile vermeiden und eine Anstoßfunktion für die
wirtschaftliche Entwicklung übernehmen. DES weisen vor allem im prozessualen Ablauf des
Investitionsvorhabens und im innenpolitischen Bereich Rußlands im Vergleich zu
herkömmlich finanzierten, subventionierten Direktinvestitionen Vorteile auf. Ein
DES-Programm innerhalb der Privatisierungsphase könnte zu einem effizienteren Management
der ehemaligen Staatsbetriebe beitragen. Ein dem DES-Investor gewährter
Vorzugswechselkurs kann in der Höhe und in der Dauer seines Gebrauchs zur Förderung von
Direktinvestitionen von dem Maß an bestimmt sein, das nötig ist, um den Investor für
seine erhöhten Risiken in der Übergangsperiode zu kompensieren. Die Gläubigerbanken
Rußlands können ihre spezifischen Kenntnisse über ihre Firmenkunden dazu einsetzen,
potentielle Direktinvestoren ausfindig zu machen und Provisionen bei der Vermittlung und
Beratung von DES zu verdienen.
DES können zwar den Anpassungsprozeß Rußlands erleichtern, aber nicht alleine zu
einer Lösung seines Schuldenproblems führen. DES sollten mit der Forderung nach dem
Vorantreiben eines marktwirtschaftlichen Anpassungsprogrammes verknüpft werden, um sich,
nachdem die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in Rußland ein allgemein
günstigeres Investitionsklima erzeugt haben, selbst überflüssig zu machen. In einer
solchen transitorischen Periode können DES im Rahmen der Privatisierung geeignet sein,
die Schuldenlast zu verringern und über den Zufluß von Direktinvestitionen zu einem
wirtschaftlichen Wachstum und einer verbesserten Schuldendienstfähigkeit Rußlands
beizutragen.
Köln 1996, 281 Seiten, DM 60,--, ISBN 3-921471-90-7
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