aus der Reihe "Untersuchung zur Wirtschaftspolitik" [U 106]
Die vorliegende Studie diskutiert die häufig vertretene Ansicht, daß in föderalen
Ordnungen eine Redistributionspolitik auf dezentraler Ebene nicht möglich sei: Die
Abwanderung der Reichen schmälere die Steuerbasis, so daß die Umverteilungslasten der
Verbleibenden steigen. Verstärkt würde die Entwicklung zur
"Zero-Redistribution" durch den Wunsch der Einkommensschwachen, in eine
transferzahlende Region einzuwandern. Nach Ansicht des Verfassers berücksichtigt diese
Standardargumentation der Wohlfahrtsökonomik nicht die Wirkungen unterschiedlicher
ordnungspolitischer Regelsysteme. Als alternativer Rahmen der Analyse wird in der Studie
die Vertragstheorie herangezogen. Regeln für den sozialen Ausgleich sind danach als
Bestandteil eines Gesellschaftsvertrages notwendig, um eine allgemeine Zustimmung zur
marktwirtschaftlichen Ordnung zu erzielen. Die ökonomische Analyse der staatlichen
Transfertätigkeit in föderale Ordnungen bestätigt die Vorteilhaftigkeit einer
Dezentralisierung. Hierzu ist eine konstitutionelle Verankerung der dezentralen
Ordnungskompetenz für redistributive Fragen erforderlich. Es wird eine Wanderungsordnung
skizziert, die einen Rahmen schafft für die weitgehende Freiheit der individuellen
Wohnortwahl, den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und die Ausnutzung der dynamischen
Vorteile einer dezentralen Redistributionspolitik. Die vorgeschlagenen Regeln können
unerwünschte Wanderungen der Transferempfänger verhindern. Eine Zentralisierung der
Redistributionspolitik ist daher keineswegs generell erforderlich.
Köln 1996, 221 Seiten, DM 52, ISBN 3-921471-94-X
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