aus der Reihe "Untersuchung zur Wirtschaftspolitik" [U 107]
In einer Währungsunion lassen sich reale Schocks nicht mehr über eine Änderung des
nominalen Wechselkurses oder die nationale Geldpolitik abfedern. Sofern diesen
Instrumenten eine gewisse Bedeutung zugestanden wird, kann der realwirtschaftliche
Konvergenzprozeß unter den Unionsländern womöglich beeinträchtigt werden. Falls die
verbleibenden Anpassungsmechanismen nicht ausreichen, ist es zudem durchaus denkbar, daß
sich die Disparitäten zwischen den Migliedsländern verstärken. Große Unterschiede in
den Pro-Kopf-Einkommen könnten jedoch relativ ärmere Staaten dazu veranlassen, eine
weniger restriktive Geldpolitik und zusätzliche Transferzahlungen zu fordern, um so
besser zu den reicheren Staaten aufschließen zu können. Beide Forderungen bergen die
Gefahr einer Destabilisierung der Währungsunion. Die vorliegende Studie untersucht,
inwieweit reale Schocks zu einer Destabilisierung der Europäischen Währungsunion führen
können. Im Rahmen eines Drei-Länder-Modells werden die Auswirkungen realer Schocks in
einer Währungsunion untersucht. Für den Fall nicht-identischer Unionsländer zeigt sich,
daß in einer Währungsunion sowohl länderspezifische als auch gemeinsame reale Schocks
Spill-over-Effekte auslösen können, durch die die Disparitäten zwischen den
Mitgliedstaaten zunehmen. Umso wichtiger ist demzufolge eine hohe Anpassungskapazität in
den einzelnen Mitgliedsländern. Die Effektivität verschiedener Mechanismen wird
theoretisch überprüft, und es wird untersucht, wie stark die Anpassungskapazitäten in
den einzelnen europäischen Ländern ausgeprägt sind. Dabei zeigt sich ein eher
entmutigendes, wenn auch national sehr unterschiedliches Bild für Europa. Sofern sich die
Folgen realer Schocks nur schwer abfangen lassen, mögen fiskalpolitische
Stabilisierungsaktivitäten sinnvoll erscheinen. Bei näherer Betrachtung zeigt dich
allerdings, daß sowohl die dabei auftretenden Spill-oder-Effekte als auch Probleme in
Form einer steigenden Staatsverschuldung die wirtschaftliche Stabilität der
Währungsunion gefährden. Um dem vorzubeugen stellt sich die Frage der Koordinierung bzw.
Zentralisierung der nationalen Finanzpolitiken. Doch mit Ausnahme der Koordinierung der
nationalen Verschuldungsniveaus sind derartige Bestrebungen mit erheblichen Gefahren
verbunden und beeinträchtigen nicht zuletzt die Anpassungsbereitschaft der
Mitgliedstaaten.
Köln 1996, 192 Seiten, DM 50,--, ISBN 3-921741-95-8
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