Univertität zu Köln
 
 
 
 

Carolin Nerlich

Zur wirtschaftlichen Stabilität in einer Währungsunion unter Berücksichtigung realer Schocks


aus der Reihe "Untersuchung zur Wirtschaftspolitik" [U 107]

In einer Währungsunion lassen sich reale Schocks nicht mehr über eine Änderung des nominalen Wechselkurses oder die nationale Geldpolitik abfedern. Sofern diesen Instrumenten eine gewisse Bedeutung zugestanden wird, kann der realwirtschaftliche Konvergenzprozeß unter den Unionsländern womöglich beeinträchtigt werden. Falls die verbleibenden Anpassungsmechanismen nicht ausreichen, ist es zudem durchaus denkbar, daß sich die Disparitäten zwischen den Migliedsländern verstärken. Große Unterschiede in den Pro-Kopf-Einkommen könnten jedoch relativ ärmere Staaten dazu veranlassen, eine weniger restriktive Geldpolitik und zusätzliche Transferzahlungen zu fordern, um so besser zu den reicheren Staaten aufschließen zu können. Beide Forderungen bergen die Gefahr einer Destabilisierung der Währungsunion. Die vorliegende Studie untersucht, inwieweit reale Schocks zu einer Destabilisierung der Europäischen Währungsunion führen können. Im Rahmen eines Drei-Länder-Modells werden die Auswirkungen realer Schocks in einer Währungsunion untersucht. Für den Fall nicht-identischer Unionsländer zeigt sich, daß in einer Währungsunion sowohl länderspezifische als auch gemeinsame reale Schocks Spill-over-Effekte auslösen können, durch die die Disparitäten zwischen den Mitgliedstaaten zunehmen. Umso wichtiger ist demzufolge eine hohe Anpassungskapazität in den einzelnen Mitgliedsländern. Die Effektivität verschiedener Mechanismen wird theoretisch überprüft, und es wird untersucht, wie stark die Anpassungskapazitäten in den einzelnen europäischen Ländern ausgeprägt sind. Dabei zeigt sich ein eher entmutigendes, wenn auch national sehr unterschiedliches Bild für Europa. Sofern sich die Folgen realer Schocks nur schwer abfangen lassen, mögen fiskalpolitische Stabilisierungsaktivitäten sinnvoll erscheinen. Bei näherer Betrachtung zeigt dich allerdings, daß sowohl die dabei auftretenden Spill-oder-Effekte als auch Probleme in Form einer steigenden Staatsverschuldung die wirtschaftliche Stabilität der Währungsunion gefährden. Um dem vorzubeugen stellt sich die Frage der Koordinierung bzw. Zentralisierung der nationalen Finanzpolitiken. Doch mit Ausnahme der Koordinierung der nationalen Verschuldungsniveaus sind derartige Bestrebungen mit erheblichen Gefahren verbunden und beeinträchtigen nicht zuletzt die Anpassungsbereitschaft der Mitgliedstaaten.

Köln 1996, 192 Seiten, DM 50,--, ISBN 3-921741-95-8


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