Univertität zu Köln
 
 
 
 

Axel Wehmeier

Ein Europa - ein Markt - ein Recht?

Eine verfassungsökonomische Analyse


aus der Reihe "Untersuchung zur Wirtschaftspolitik" [U 113]

"Ein Europa - ein Markt - ein Recht". Für die meisten Juristen und Ökonomen ist dies ein unverändert harmonischer Dreiklang. Stellen doch die noch bestehenden Rechtsunterschiede nicht lediglich überflüssige Hemmnisse dar, die es abzubauen gilt? Bietet nicht Europa die historische Chance, nationale Reformstaus durch bessere Gesetze zu überwinden? Der einheitlichen Währung solle deshalb auch ein einheitliches Recht für den Binnenmarkt folgen.

Auf der anderen Seite werden heute kritische Stimmen vernehmlicher, die vor übertriebenem Harmonisierungseifer in der Rechtspolitik warnen. Sie betonen den Kapitalcharakter der Institutionenvielfalt in Europa und weisen auf die Mißbrauchsrisiken einer vergemeinschafteten Politik hin, wie sie etwa in der Agrar- oder Subventionspolitik der Gemeinschaften längst offenkundig geworden sind. Deshalb liege der Königsweg zu einem auf Dauer befriedeten und wirtschaftlich dynamischen Europa nicht in der Errichtung eines europäischen Bundesstaates, sondern vielmehr in einem stärker dezentral organisierten Staatengebilde, das aus institutionellem Wettbewerb Substanz schöpft.

Die vorliegende Arbeit nähert sich diesem Spannungsfeld von Einheit und Vielfalt aus der vertragstheoretischen Perspektive eines politischen Ökonoms. Untersuchungsgegenstand ist die bestehende Gesamtordnung des europäischen Rechts, wobei verfassungs-, privat und regulierungsrechtliche Fragen erörtert werden. Im Vordergrund steht dabei nicht wie in der herkömmlichen ökonomischen Analyse des Rechts - die konkrete allokationstheoretische Optimierung einzelner Normen, sondern der Prozeß der Regelfindung selbst. Gefragt wird nach jenen "Spielregeln", welche unabhängig von der Kenntnis konkreter Umstände zur Evolution eines Rechts führen, welches dauerhaft der Zustimmung der europäischen Bürger gewiß sein kann.

Im Ergebnis wird ein "Beruf unserer Zeit" zu einer umfassenden europäischen Gesetzgebung verneint und für die Rechtsordnung einer offenen europäischen Privatrechtsgesellschaft plädiert, wie sie bereits in den grundlegenden ordoliberalen Arbeiten von Franz Böhm, Wilhelm Röpke und Alfred Müller-Armack vorgezeichnet wurde.

Köln 1999, 355 Seiten, DM 69,-- , ISBN 3-933812-01-1


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