aus der Reihe "Untersuchungen zur
Wirtschaftspolitik" [U 114]
Veränderte makroökonomische Rahmenbedingungen in der Europäischen
Währungsunion stellen die nationale Lohnpolitik und die staatliche
Beschäftigungs-politik in den teilnehmenden Ländern vor neue Anforderungen, bestehende
Arbeitsmarktsituationen geraten zunehmend unter Druck. Von mancher Seite wird deshalb
geschlußfolgert, daß die Akteure am Arbeitsmarkt durch die Währungsunion automatisch
diszipliniert werden und protektionistische Regulierungen erodieren. Tatsächlich sind
jedoch parallel zur monetären Integration Bestrebungen zu beob-achten, lohnpolitische und
beschäftigungspolitische Kompetenzen auf einer zentralen Ebene zu koordinieren, so z.B.
im Rahmen des Europäischen Beschäftigungspaktes oder durch internationale
Gewerkschaftskooperationen.
Die vorliegende Arbeit stellt die Interaktion der lohnpolitischen
Akteure in den Mittelpunkt. und analysiert die Verträglichkeit unterschiedlich
koordinierter Lohnverhandlungen mit den veränderten Anforderungen in der Währungsunion.
Dabei werden Interdependenzen zur staatlichen Beschäftigungspolitik berücksichtigt, die
zu Fehlanreizen und einem "moral hazard" bei den Tarifvertragsparteien führen
können. Im Ergebnis wird von einer europäischen Koordination der Lohnpolitik abgeraten,
da diese das Stabilitätsziel und die erhofften Beschäftigungserfolge der
fortschreitenden Integration gefährdet. Hinsichtlich einer optimalen
Lohnverhandlungsebene für einzelne Länder kann keine eindeutige Aussage getroffen
werden.
Überlegungen zur Bestreitbarkeit nationaler Arbeitsmärkte führen zu
institutionellen Gestaltungsansätzen einer Arbeitsmarktordnung in Europa, die auf dem
Grundprinzip der individuellen Entscheidungsfreiheit basiert und zwanghaften kollektiven
Absprachen eine Absage erteilt. Um dem Phänomen "politischer Hysterese" auf den
Arbeitsmärkten zu begegnen, das aus politökonomischem Kalkül resultiert, sind
erforderliche Reformmaßnahmen möglichst umfassend durchzuführen. Gleichzeitig
und lediglich hier kann die europäische Ebene einen beschäftigungspolitischen
Beitrag leisten, indem sie exogenen Druck zur Einleitung von Reformen und damit
Überwindungselemente für den nationalen Reformstau bietet.
Köln 1999, 258 Seiten, DM 65,-- , ISBN 3-933812-02-X
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