Univertität zu Köln
 
 
 
 

Angela Schürfeld

Lohnpolitik und Beschäftigungspolitik bei fortschreitender europäischer Integration


aus der Reihe "Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik" [U 114]

Veränderte makroökonomische Rahmenbedingungen in der Europäischen Währungsunion stellen die nationale Lohnpolitik und die staatliche Beschäftigungs-politik in den teilnehmenden Ländern vor neue Anforderungen, bestehende Arbeitsmarktsituationen geraten zunehmend unter Druck. Von mancher Seite wird deshalb geschlußfolgert, daß die Akteure am Arbeitsmarkt durch die Währungsunion automatisch diszipliniert werden und protektionistische Regulierungen erodieren. Tatsächlich sind jedoch parallel zur monetären Integration Bestrebungen zu beob-achten, lohnpolitische und beschäftigungspolitische Kompetenzen auf einer zentralen Ebene zu koordinieren, so z.B. im Rahmen des Europäischen Beschäftigungspaktes oder durch internationale Gewerkschaftskooperationen.

Die vorliegende Arbeit stellt die Interaktion der lohnpolitischen Akteure in den Mittelpunkt. und analysiert die Verträglichkeit unterschiedlich koordinierter Lohnverhandlungen mit den veränderten Anforderungen in der Währungsunion. Dabei werden Interdependenzen zur staatlichen Beschäftigungspolitik berücksichtigt, die zu Fehlanreizen und einem "moral hazard" bei den Tarifvertragsparteien führen können. Im Ergebnis wird von einer europäischen Koordination der Lohnpolitik abgeraten, da diese das Stabilitätsziel und die erhofften Beschäftigungserfolge der fortschreitenden Integration gefährdet. Hinsichtlich einer optimalen Lohnverhandlungsebene für einzelne Länder kann keine eindeutige Aussage getroffen werden.

Überlegungen zur Bestreitbarkeit nationaler Arbeitsmärkte führen zu institutionellen Gestaltungsansätzen einer Arbeitsmarktordnung in Europa, die auf dem Grundprinzip der individuellen Entscheidungsfreiheit basiert und zwanghaften kollektiven Absprachen eine Absage erteilt. Um dem Phänomen "politischer Hysterese" auf den Arbeitsmärkten zu begegnen, das aus politökonomischem Kalkül resultiert, sind erforderliche Reformmaßnahmen möglichst umfassend durchzuführen. Gleichzeitig – und lediglich hier – kann die europäische Ebene einen beschäftigungspolitischen Beitrag leisten, indem sie exogenen Druck zur Einleitung von Reformen und damit Überwindungselemente für den nationalen Reformstau bietet.

Köln 1999, 258 Seiten, DM 65,-- ,  ISBN 3-933812-02-X

 
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