Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik [U 121]
Dauerhaft steigende Ausgaben und zunehmende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen
Krankenversicherung verdeutlichen, dass nicht alle Leistungsansprüche im Rahmen der
Sozialversicherung finanziert werden können. Weil die notwendigen Beitragssatzanpassungen
u.a. in Konflikt mit dem Beschäftigungsziel geraten, werden Steuerungsdefizite angemahnt.
Wie muss ein Gesundheitssystem gestaltet werden, das allgemein zustimmungsfähige
Umverteilungsziele berücksichtigt und gleichzeitig eine bevölkerungsumfassende
medizinische Versorgung auf hohem Leistungsniveau dauerhaft sichern kann?
Ausgehend von konkurrierenden Erklärungen für die Ausgabenentwicklung - allokative
Besonderheiten, institutionell bedingte Fehlsteuerungen, medizinisch-technischer
Fortschritt sowie demographischer Wandel - wird ein ursachengerechter Therapievorschlag
entwickelt. Mit Hilfe eines konstitutionenökonomischen Argumentes lassen sich
Gestaltungsprinzipien für einen bevölkerungsumfassenden Krankenversicherungsschutz sowie
für eine effiziente medizinische Leistungsversorgung ableiten. Mit Rücksicht auf
allgemein zustimmungsfähige Umverteilungsmotive werden notwendige Regulierungen zum
Schutz vor Marktstörungen entwickelt. Angesichts zukünftiger Herausforderungen wird der
Untersuchungsrahmen um den Aspekt intergenerativer Verteilungsgerechtigkeit erweitert. Der
Vergleich von Umlage- und Anwartschaftsdeckungsverfahren liefern ein weiteres
Gestaltungsprinzip für die Organisation eines intergenerativ gerechten
Krankenversicherungsschutzes.
Anhand der abgeleiteten Gestaltungsprinzipien werden abschließend die Regulierungen im
Status Quo beurteilt. Die Untersuchung mündet in einem konsistenten Reformvorschlag,
wonach ein hohes Leistungsniveau der medizinischen Versorgung im Rahmen der gesetzlichen
Krankenversicherung dauerhaft gewährleistet werden kann. |