Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik [U 123]
Seit Mitte der neunziger Jahre erlebt die Weltwirtschaft eine Fusionswelle, welche
frühere Zusammenschlussaktivitäten sowohl nach Anzahl als auch Umfang der beteiligten
Unternehmen bei weitem übertrifft. Zudem sind immer häufiger durch transnational
wirksame Großfusionen die Rechtsordnungen in den Vereinigten Staaten und Europa
gleichzeitig betroffen. Sind internationale Fusionen und Übernahmen nur Ausdruck einer
strategischen und länderübergreifenden Neuausrichtung auf das unternehmerische
Kerngeschäft, oder besteht ernsthaft die Gefahr einer schrittweisen Vermachtung global
relevanter Gütermärkte? Erwächst aus dem Nebeneinander national unterschiedlich
ausgeprägter wettbewerbspolitischer Systeme die Gefahr einer uneinheitlichen und
konfliktträchtigen Einschätzung internationaler Großaktionen, oder besteht vielmehr die
Chance dezentraler Lernprozesse im Rahmen eines funktionierenden Ordnungswettbewerbs? Die
vorliegende Arbeit untersucht, sich dem Phänomen der länderübergreifenden Großfusion
zunächst theoretisch anzunähern und gibt einen Überblick über den Stand der
empirischen Forschung. Eine ökonometrische Schätzung des Wahlverhaltens der mittlerweile
stark beanspruchten Europäischen Kommission bietet zusätzlichen Einblick in den
Entscheidungsprozess einer bedeutenden Fusionskontrollinstanz. Schließlich wird basierend
auf den US-amerikanischen und europäischen Fusionsregeln eine wettbewerbspolitische
Einschätzung des notwendigen Koordinationsbedarfs im Falle potentiell marktbeherrschender
Transaktionen gegeben. |