Untersuchungen
zur Wirtschaftspolitik [U 129]
Die demografische Entwicklung lässt
die Konstruktionsfehler der gesetzlichen Rentenversicherung
deutlich hervortreten. Bei steigender Lebenserwartung
und sinkenden Geburtenraten ist die Finanzierung der Rentenzahlungen
mit immer höheren Lasten für die jüngeren
Generationen verbunden. Trotz dieses offenkundigen Reformbedarfs
sind in der Vergangenheit wissenschaftliche Vorschläge
zur Reform der Alterssicherung häufig mit dem Hinweis
auf ungelöste Gerechtigkeitsfragen verworfen worden.
Um einen tatsächlich umsetzungsfähigen
Reformvorschlag zu entwickeln, ist es daher geboten, bei
der Analyse der Alterssicherung nicht nur auf Effizienzfragen
abzustellen, sondern gleichzeitig Gerechtigkeitsaspekte
mit einzubeziehen. Aus diesem Grund wird in dieser Untersuchung
ein vertragstheoretischer Ansatz verwendet, der eine Zusammenführung
der Kriterien der Effizienz und Gerechtigkeit in das Kriterium
der Zustimmungsfähigkeit erlaubt.
Vor diesem Hintergrund wird in einem ersten
Schritt herausgestellt, dass sich die gesetzliche Alterssicherung
auf eine Mindestsicherung bescrhänken sollte. Darüber
hinaus zeigt sich, dass Ansprüche sowohl über
das Kapitaldeckungs- als auch über das Umlageverfahren
erworben werden sollten. Gerade mit Blick auf die umlagefinanzierte
gesetzliche Rentenversicherung wird jedoch erheblicher
Reformbedarf konstatiert. Auf der Beitragsseite sollte
die Leistungsfähigkeit berücksichtigt und auf
der Leistungsseite die Regelaltersgrenze an die durchschnittliche
Lebenserwartung angepasst werden. Vor allen Dingen sollte
jedoch der generative Beitrag konsequent honoriert werden,
d.h. Ansprüche sollten verstärkt nach der Kinderzahl
gewährt werden. Ergänzt werden sollte die gesetzliche
Rentenversicherung durch eine kapitalgedeckte Basissicherung.
Eine grundlegende Reform der Alterssicherung
wird immer auf erheblichen Widerstand stoßen. Das
Besondere dieses Ansatzes ist jedoch, dass die Umsetzung
des Gesamtkonzeptes nicht mit Lastverschiebungen verbunden
ist, sondern sowohl allen jetzigen als auch künftigen
Gesellschaftsmitgliedern Vorteile bietet. |