Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik
[U 130]
Eine wettbewerbliche Ordnung des Gesundheitswesens,
ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Gebietet es nicht die Solidarität der Menschen untereinander,
dass medizinische Leistungen außerhalb des nüchternen,
unbarmherzigen Wettbewerbsprozess erbracht und bezahlt
werden? Hinter diesen Fragen verbirgt sich die berechtigte
Sorge der Menschen, dass in einem wettbewerbliche Gesundheitswesen
für diejenigen, die nicht über ein ausreichendes
Einkommen verfügen, wichtige medizinische Leistungen
aufgrund mangelnder Zahlungsfähigkeit nicht erhältlich
sind. Unter Ökonomen ist man sich weitgehend einig,
dass man diesen Befürchtungen durch eine allgemeine
Krankenversicherungspflicht mit ergänzender Unterstützung
für Bedürftige im Steuer-Transfer-System gerecht
wird. Diese soziale Unterstützung lässt sich
im Übrigen nicht nur sozialpolitisch sondern auch
ökonomisch gut begründen.
Gerade aber weil den Menschen die Gesundheit
so am Herzen liegt, scheint es besonders wichtig, die
Mittel im Gesundheitswesen möglichst effizient einzusetzen,
um Verschwendung zu vermeiden. Auch hier besteht weitgehende
Einigkeit, nämlich darin, dass ein funktionsfähiger
Wettbewerb diese Aufgabe bestmöglich erfüllen
wird. Das Kernelement eines funktionsfähigen Wettbewerbs
im Gesundheitswesen ist die Krankenversicherung, da ihr
nicht nur die Übernahme der Versicherungsleistung
zukommt, sondern auch ein Teil der Leistungssteuerung
in einem von Informationsasymmetrien gekennzeichneten
Dienstleistungsmarkt.
In der vorliegenden Arbeit wird zunächst
untersucht, wie eine begründbar mit sozialer Unterstützung
flankierte Krankenversicherungspflicht im Detail zu gestalten
ist, das heißt, welchen Umfang die Versicherungspflicht
haben soll, wann sie beginnt und wie im Falle einer Verschlechterung
individueller Gesundheitsrisiken zu verfahren ist. Anschließend
wird auf Informationsprobleme zwischen Leistungsanbietern,
Versicherten und Versicherungsunternehmen eingegangen,
um den Charakter der Versicherung als Informationsintermediär
und damit verbundene Schwierigkeiten herauszustellen.
Im Hauptteil schließlich befasst sich der Autor
mit der Frage, wie im Rahmen der Versicherungspflicht
und der Informationsasymmetrien auf der Leistungsseite
ein funktionsfähiger Wettbewerb zwischen Krankenversicherungsunternehmen
gewährleistet werden kann. Dabei steht die Analyse
von Risikostrukturausgleichmodellen mit kollektiv-äquivalent
kalkulierten Prämien sowie der Weiterentwicklung
des heutigen PKV-Modells durch übertragbare risikoangepasste
Altersrückstellungen im Mittelpunkt. Die Arbeit endet
mit einigen Überlegungen zur Kompatibilität
einer obligatorischen Absicherung auf einem kompetitiven
Krankenversicherungsmarkt mit europäischem Recht.
Aus dem Vorwort des Herausgebers:
„Das große Verdienst des Autors liegt darin,
die Funktionsweise des Wettbewerbs unter verschiedenen
Bedingungen darzustellen und die vielfältigen ernst
zu nehmenden Einwände nüchtern aufzuarbeiten.
Auf diese Weise wird die Entscheidungssituation für
weitere Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung,
aber auch für Änderungen innerhalb des Systems
der privaten Krankenversicherung überschaubar. Das
gilt nicht nur für die Beurteilung des Wettbewerbspotentials,
sondern auch für die Frage der Lastenverschiebung
auf künftige Generationen.“
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