Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik
[U 131]
Am Beispiel der Trinkwasserversorgung wird
gezeigt, dass die staatliche Organisation der Versorgungsleistung
zwar ursprünglich zu rechtfertigen war, das Fehlen
eines Leitungsnetzes aber hygienische Probleme für
die Bevölkerung von Städten mit sich brachte.
Da der Netzbau auf privater Ebene aus gesellschaftstrukturellen
Gründen nicht umgesetzt wurde, musste das Kollektiv
diese Aufgabe übernehmen. Heute ist diese Situation
nicht mehr gegeben. Die Trinkwasserversorgung könnte
– zumindest in weiten Teilen – in den Wettbewerb
überführt werden. Um dies zu zeigen, werden
die verschiedenen Wertschöpfungsstufen der Trinkwas-serversorgungsleistung
in die Trinkwassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung
unter-schieden. Während die Trinkwassergewinnung
und die -aufbereitung in einem Wettbewerbs-umfeld erbracht
werden können, liegt im Bereich der Trinkwasserverteilung
ein monopolisti-scher bottleneck vor. Beim Netzbau bestehen
subadditive Kostenstrukturen, die ein natürli-ches
Monopol begründen und die Regulierung erforderlich
machen. Die öffentliche Bereit-stellung der Leistung
erscheint dennoch nicht angebracht. Die Autorin führt
verschiedene politökonomische und Effizienzgründe
an, die untermauern, dass die Trinkwasserverteilung unter
der Bedingung einer effizienten Regulierungsmethode durch
ein privates Unternehmen zu erbringen ist. Sie schlägt
vor, dass zeitlich befristete Netzbetreiberkonzessionen
von der öffentlichen Hand ausgeschrieben werden und
im Wege der Versteigerung einem Unterneh-men zugesprochen
werden. Darüber hinaus sollen die Netznutzungsentgelte
einer Price Cap-Regulierung unterzogen werden, die durch
ein laufendes Benchmarking-Verfahren unterstützt
wird. Eine über diesen bottleneck hinausgehende Regulierung
kann aus ökonomischer Per-spektive nicht befürwortet
werden. Die Beispiele anderer Länder und Sektoren
zeigen, dass die Überführung leitungsgebundener
Wirtschaftssektoren in den Wettbewerb Vorteile für
die Endverbraucher mit sich bringt, die nicht ausschließlich
in geringeren Entgelten sondern auch in der Differenzierung
der angebotenen Qualitäten bestehen können.
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