Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik
[U 132]
Die Gesetzliche Krankenversicherung
(GKV) weist im Status quo eine Vielzahl von Umverteilungstatbeständen
auf, die sich in die Bereiche der interpersonellen und
der intergenerationalen Umverteilung einteilen lassen.
Sie werden üblicherweise mit dem Sozialversicherungscharakter
der GKV begründet. In dieser Arbeit wird untersucht,
wie diese Umverteilungstatbestände zu bewerten sind
und welche Schlussfolgerungen sich aus dem Ergebnis ziehen
lassen.
Es wird zunächst auf Basis konstitutionenökonomischer
Überlegungen ein normativer Bewertungsmaßstab
erarbeitet, mit dessen Hilfe Merkmale zustimmungsfähiger
monetärer Umverteilung hergeleitet werden. Anschließend
wird der Status quo der Umverteilung in der GKV einer
kritischen Analyse unterzogen. Es zeigt sich, dass sowohl
die spezifischen Umverteilungstatbestände als auch
insbesondere ihre Verknüpfung mit der Versicherung
vor diesem Hintergrund nicht begründbar sind. Dies
gilt in interpersoneller und in intergenerationaler Perspektive.
Kern der resultierenden Forderungen ist daher die Abkopplung
der Umverteilung von der Versicherungsfunktion. Ein Schwerpunkt
der Arbeit liegt anschließend darin, die notwendigen
Änderungen, die sich hierdurch ergeben, zu analysieren.
Die interpersonelle Umverteilung ist aus der Versicherung
auszugliedern und in das Steuer-Transfer-System zu übertragen.
Hierdurch resultieren sowohl im Steuer-Transfer- wie auch
im Versicherungssystem einige Neuerungen, die ausführlich
analysiert werden. Im Rahmen der intergenerationalen Umverteilung
wird die Analogie zwischen dem derzeitigen Umlageverfahren
und einer fortgesetzten Verschuldung erläutert. Es
wird dargelegt, dass die Umstellung auf ein kapitalgedecktes
Verfahren notwendig und begründbar ist, unabhängig
von der genauen Behandlung der dabei offen zu legenden
impliziten Verschuldung. Ein konkretes Umstellungsverfahren
wird ebenfalls dargestellt.
Verknüpfendes Element zwischen der
Abkopplung der interpersonellen Umverteilung von der Versicherung
und der Umstellung auf ein kapitalgedecktes System ist
das wettbewerbliche Verfahren individuell übertragbarer
Altersrückstellungen in der Krankenversicherung.
Es bietet den Rahmen für die hergeleiteten Neuordnungen,
da es die notwendige Funktionsfähigkeit des Krankenversicherungsmarktes
gewährleistet.
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