Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik
[U 133]
Eines der drängendsten
Probleme in Deutschland ist die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der ambivalenten
Rolle der Arbeitslosenversicherung zwischen den wohlfahrtsteigernden
Effekten einer Einkommenssicherung bei Arbeitslosigkeit
und den wohlfahrtsmindernden Wirkungen aufgrund der erst
durch die Lohnersatzeinkommen verursachten oder verlängerten
Arbeitslosigkeit. Dabei stehen zwei Fragen im Zentrum
der Untersuchung:
Steigert eine Arbeitslosenversicherung
auf Arbeitsmärkten, die sich durch Lohnrigiditäten
auszeichnen, überhaupt die Gesamtwohlfahrt? Normalerweise
werden einer Arbeitslosenversicherung umso höhere
Wohlfahrtsgewinne zugeschrieben je größer die
Risikoscheu der Versicherten ist. Auf Märkten mit
Effizienzlöhnen muss ein solcher Zusammenhang jedoch
nicht gelten. Erstens führen Beitragszahlungen zu
niedrigeren Nettolöhnen. Zweitens verbessert das
Arbeitslosengeld die Einkommenssituation in Arbeitslosigkeit.
Beides kann zu einer Verringerung der Arbeitsanreize führen,
die insgesamt wohlfahrtsmindernd ist.
Sollten Versicherungsbeiträge der
Arbeitgeber von deren Entlassungsverhalten abhängig
gemacht werden? Ein solches Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung
wird insbesondere in den USA angewendet. In Europa lassen
sich ansatzweise ähnliche Instrumente finden, deren
Einsatz jedoch wenig weit reichend ist. Theoretisch erscheint
es allerdings in der Tat lohnend, die Versicherungsleistungen
an die Entlassenen teilweise den entlassenden Unternehmen
direkt zuzurechnen. Auch im Vergleich mit anderen Instrumenten
des Beschäftigungsschutzes, die ebenfalls zur Internalisierung
sozialer Kündigungskosten dienen können, erweist
sich Experience Rating wohlfahrtstheoretisch als überlegenes
Instrument.
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